Objekt des Monats
Seit 1985 befindet sich in der alten Wassermühle am Abfluss des Faulen Sees im Schweriner Stadtteil Ostorf, unweit des Schlossgartens, eine museale
Schauanlage der Steinschleiferei (Titelbild). Diese wurde nach historischem Vorbild ab 1983 errichtet. Vorgeführt werden die Schauanlage sowie
verschiedene historische Steinbearbeitungstechniken von Ostern bis Anfang November. In der Mühle existiert auch eine Ausstellung zur
Geschichte der Schleifmühle und der wichtigsten hier hergestellten Objekte. Im Außengelände sind Findlinge,
eine Steingattersäge aus der Zeit um 1920 sowie Beispiele der historischen Steinbearbeitung ausgestellt.
1705 wurde am heutigen Standort die erste Mühle, eine Lohmühle, erbaut, die 1718 zur Graupenmühle und 1755 zur Steinschleiferei umgebaut wurde.
Eine Erweiterung, die die Schleiferei auch zur Anfertigung größerer Objekte ertüchtigte, erfolgte 1797. In der oberen Etage der Mühle wurden
von Edelsteinschleifern Schmuckgegenstände für die Fürstenfamilie gefertigt, die vielfach auch als Geschenke an andere Fürstenhöfe,
u.a. nach Potsdam und St. Petersburg gelangten.
1772 begann die Amtszeit des Schleifmühleninspektors Johann August Wangel sen. (Lebensdaten unbekannt), dessen Sohn, Johann August Wangel
jun. (†1828), das Amt des Schleifmühleninspektors übernahm. In dessen Amtszeit fällt der Auftrag für das bis dahin größte Objekt, das 1817-1819
angefertigte Postament für das von Johann Gottfried Schadow (1764-1850) gestaltete Blücherdenkmal in Rostock.
Abb.: Das Blücherdenkmal in Rostock in der Parkanlage am Universitätsplatz vor einem Ausschnitt des Denkmalsockels.
Der Granit stammt aus dem Gebiet des mittelschwedischen Siljan Sees. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Neben dem großherzoglichen Hof, gilt in der Amtszeit von Johann August Wangel jun. Hans Graf von Schlitz (1763-1831) als einer der wichtigsten Auftraggeber der Schleifmühle. Einen großen Teil seiner drei Dutzend aus Findlingen hergestellte Denkmäler und Obelisken hatte er in der Schleifmühle für seinen Park in Auftrag gegeben. Er war auch der Initiator für die Anfertigung des Postaments aus Granit für das Blücherdenkmal. Dafür konnte er die beiden mecklenburgischen Großherzöge und, mit diplomatischem Geschick, auch die Ritterschaft als Geldgeber für dieses Projekt gewinnen.
Von 1830 bis 1842 war Conrad Friedrich Niedt (1778-1842) Schleifmühleninspektor. Sein Verdienst war die Durchsetzung eines unter Wangel schon angedachten Steinkatasters. Amtspersonen in Mecklenburg-Schwerin, insbesondere Pfarrer und Lehrer, wurden aufgefordert, in ihrem Amtsbereich befindliche Findlinge mit Angaben zur Farbe, Größe und zum Gefüge zu melden und möglichst Probenmaterial nach Schwerin zu entsenden. Bevor er sein Amt antrat, hatte er sich auf einer Reise nach Schweden und Russland dortige Steinschleifereien angesehen. Aus dem "Elvdals Porphyrverk" (Blyberg Porphyr) in Dalarna war ihm daher die Herstellung von Prunkvasen bekannt, die er dann in Schwerin erfolgreich betrieb.
Das Amt des Schleifmühleninspektors wurde Ende 1842 vom großherzoglichen Hofbaumeister Georg Adolf Demmler (1804-1886) mit übernommen. Demmler war zur Zeit der Übernahme des Amtes schon sehr mit den Vorbereitungen zum Bau des Schweriner Schlosses in Anspruch genommen. Für dieses Bauvorhaben ließ der die Schleifmühle entsprechend herrichten. Groß war der Bedarf u. a. an Treppenstufen, Steinquadern für Mauern im Bereich des Burggartens, Fensterbänke und vieles mehr. Eine seiner ersten größeren Aufgaben in diesem Amt war die Planung und Durchführung des Transports des in der Schweriner Schleifmühle nach seinem Entwurf hergestellten Granitsarkophags für Großherzog Friedrich Franz I. (1756-1837) ins Doberaner Münster.
Abb.: Sarkophag von Großherzog Friedrich Franz I. im Doberaner Münster. Hergestellt wurde der Sarkophag aus dem rund 200 Tonnen schweren Findling von Klein Trebbow. Der Findling wurde vor Ort geteilt und die Teile ins 25 Kilometer entfernte Schwerin verfrachtet. Der Granit ist nicht näher bestimmt. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Detailansicht des oben gezeigten Details vom Sarkophag des Großherzogs Friedrich Franz I. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Unter Leitung von Georg Adolf Demmler wurde in der Schleifmühle auch das Postament für das von Christian Daniel Rauch (1777-1857) gestaltete Denkmal für Großherzog Paul Friedrich (1800-1842) gefertigt.
Abb.: Das Denkmal für Großherzog Paul Friedrich im Alten Garten in Schwerin. Der Granit ist nicht näher bestimmt. Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Christian Daniel Rauch erklärte die Schweriner Schleifmühle – das wird bei einer Führung stets mit Stolz berichtet - zur führenden Granitschleife im damaligen Deutschen Reich.
Der Sohn der Witwe Röper, der in Idar-Oberstein das Handwerk der Steinschleiferei erlernt hatte, war um 1750 der erste und Ludwig und Johann Pommerencke waren 1857 die letzten Steinschleifer der Schleifmühle.
Weitere Objekte aus der Schweriner Schleifmühle
Abb.: Sarkophag von Herzog Friedrichs (1717-85) in der Stadtkirche Ludwigslust. Aufgrund seiner sehr schlichten Gestaltung wurde der Sarkophag von den Kirchgängern als „Steinkiste“ bezeichnet. Der Findling, aus dem der Sarkophag hergestellt ist, stammt aus Groß Laasch; das Herkunftsgebiet des Granits ist nicht bekannt. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Taufbecken in der Stadtkirche Ludwigslust. Bei dem verwendeten Stein handelt es sich um einen Orthogneis nicht näher bekannter Herkunft. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Eine Tischlatte, wie sie zwischen 1790 und 1840 in der Schleifmühle auch für den preußischen Hof gefertigt wurden. Die Trägerplatte besteht aus Sandstein. Steinrestaurierungswerkstatt Potsdam Sanoussi. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Begrüßungsobelisk an der Auffahrt zur Burg Schlitz (Hohen Demzin). | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Das "Regensburger Denkmal" im Park von Burg Schlitz. Den Anlass für die Errichtung des Denkmals bildete die Schlacht von Regensburg im Jahre 1809. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Abb.: Unterhalb des sandsteinernen (Obernkirchner Sandstein) Erkers auf Ostseite des Schlosses von Burg Schlitz besteht das Sichtmauerwerk aus Steinquadern und Konsolen, die in der Schleifmühle gefertigt wurden. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.
Alle Fotos © Ralf Lehr (Roith)
Letzte Änderung: 05. Juni 2026
Schleifmühle am Faulen See in Schwerin
Lage:
Schleifmühlenweg 1
19061 Schwerin
Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern
GPS:
53.61759, 11.41923
Entstehungszeit/Errichtung:
1755 (zuvor Lohmühle 1705, Graupenmühle 1718)
Literatur:
GEHLER, R.: Die Schleifmühle am Faulen See - 300 Jahre Produktions- und Alltagsgeschichte am Rande des Schweriner Residenzensembles. – 240 S.; Schwerin (Thomas Helms Verlag).
Internetquellen: https://schleifmuehle-schwerin.de/das-museum/geschichthttps://de.wikipedia.org/wiki/Schleifm%C3%BChle_Schwerin
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