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Objekt des Monats
September 2026

Kartäuserkirche Christgarten, Ederheim (Bayern)

Kurt Kroepelin, Dipl.-Geol. (Nördlingen)


Kirchengeschichte

Als im späten 14. Jahrhundert die Kartause Christgarten gegründet wurde, stand im abgelegenen Talgrund des Forellenbaches eine dem heiligen Petrus geweihte Kapelle. Dieses Patrozinium ging auf die Kirche der Kartäuser und die heutige evangelische Kirche über. Zunächst noch „vnser herren Garten“i> geheißen, setzte sich bald die Benennung „hortus Christi“ bzw. die eingedeutschte und bis heutige gültige Variante Christgart(en) durch. Das Tal wurde nachfolgend auch nach dem Orden, als Kartäusertal benannt.

Stifter des Klosters waren die Oettinger Grafen Ludwig XI. und Friedrich III. nebst wohltätigen Bürgern, z.B. aus Nördlingen. Der Kartäuserorden hatten das Motto: „Anbetung der Stille, Abkehr vom Weltenrummel“. So waren die Kirche und die Kartausen abgelegen und eher kärglich ausgestattet. Es waren in der Anlage nur 12 Kartausen für Mönche und eine Unterkunft für den Abt eingerichtet. Gäste, Mönche auf Besuch und Durchreise, schliefen im Amtshaus. Die Kirche (Weihung 1390) besteht aus einem Mönchschor und einem Laienchor, die durch einen Lettner getrennt waren. Der Mönchschor hat die Außenmaße von 21,3 m x 9,8 m und besteht heute noch. Der Laienteil war kleiner, hatte eine Empore und war 13,6 m lang. Im Süden war ein 2-stöckiger Kapitelsaal angebaut, der noch als Ruine erhalten ist. Im Laienkloster gab es eine unbekannte Anzahl an Konversen und Brüdern, die u.a. den Bauhof, die außerhalb der Klostermauern gelegene Ziegelei, die Landwirtschaft, Pfisterei, Fischteiche betrieben. Das weitgehend autarke Kloster hatte eine Fläche von ca. 4 ha. Die starken Karstquellen des Forellenbachs wurden zum Betrieb von Fischweihern und Getreidemühlen genutzt. Das Kloster hatte Besitzungen (Kirchensätze, Höfe, Weinberge, Weiher) im bayerisch/schwäbischen Raum, die vom Klosteramt verwaltet wurden. Äbte und Stifter ließen sich vermutlich im Kreuzgang beerdigen, einige noch erhaltene Grabplatten zeugen davon.

Die Einführung der Reformation in der Grafschaft Oettingen 1539 verunsicherte das Klosterleben. Die Klostergebäude wurden im Schmalkaldischen Krieg 1547 durch spanische Truppen beschädigt, neun Jahre später löste sich der Kartäuserorden in Christgarten auf. Die Kirche diente danach der kleinen protestantischen Gemeinde als Pfarrkirche. Die meisten Baulichkeiten waren bis zum 19. Jh. verschwunden, Ruinen, Mauerzüge sind in geringem Umfang noch erhalten. Die Klostermühle und die Ziegelei wurden erst Ende des 19. Jh. abgerissen. Die Klosterkirche blieb bis 1865 im spätmittelalterlichen Umfang unangetastet. Aufgrund der Baufälligkeit des Laienanteils wurde dieser abgerissen und ein Giebel am Lettner neu hochgemauert. Das Kirchengebäude gehört dem fürstlichen Hause Oettingen-Wallerstein, das Kircheninnere der evangelischen Kirchengemeinde Ederheim, die unregelmäßig Gottesdienste hält.

Gesteine

Die Kirchenmauern sind verputzt. Am Chor ist aber zu erkennen, dass zumindest dieser Bauteil und vermutlich die Mönchskirche aus Werksteinen aus hellolivgrünem Suevit bestehen. Zwei Steinbrüche sind im Kartäusertal nur wenig benachbart bekannt. Der auf Brusthöhe umlaufende Mauerkranz ist aus Suevit-Material gefertigt. Bevorzugt wurden in den übrigen Bauwerken Suevit-Hausteine als Ecksteine verwendet. Grau gefärbter Suevit kam für die Konsolen der Gewölberippen und für Laibungen der Türen und Fenster in Anwendung. Grauer Suevit dürfte aus dem südlich benachbarten Vorries stammen, wo mehrere Steinbrüche bekannt sind. Der Suevit ist eine vor rund 15 Millionen Jahren entstandene Impaktbrekzie. In einer feinkörnigen Grundmasse schwimmen Klasten, meist aus dem kristallinen Untergrund. Kennzeichnend sind die überwiegend gelängten, flachen Gesteinsgläser (Flädle genannt), schwarz gefärbt und blasig.

In den aufgehenden Mauern des Kapitelsaales sind Gesteine des sich in der Kraterhohlform im Miozän existierenden Riessees verwendet: Plattig brechende, karbonatisch gebundene Konglomerate und Bioherm-Kalke und Dolomite. Die letzteren wurden früher als „Chladophorites-Kalk“ bezeichnet und enthalten Algen- und Stromatolithenreste.

Das Mauerwerk der Ruinen (Sakristei, Refektorium, Kreuzgang) und der Laienkirche bestand aus Bruchsteinmauerwerk. Bevorzugt wurden hier lokale Kalksteine der Massenkalk-Formation (früher Schwamm-Algen-Riff-Fazies) des Weißjuras verwendet, die hier den Kraterrand bilden und in Megablöcken häufig vorkommen. Steinbrüche sind in unmittelbarer Nähe bekannt.

Formteile wie Maßwerke der Fenster, Konsolen im Kreuzgang oder die Altarplatte wurden aus Lauchheimer Sandstein hergestellt. Der Feinsandstein gehört zur Eisensandstein-Formation (Braunjura) und ist karbonatisch oder ferritisch gebunden. Die hervorragende Eignung als Werkstein zeigt sich, dass die Mehrzahl der wenigen erhaltenen Grabplatten aus Lauchheimer Sandstein bestehen. Einzigartig ist der Grabstein im Altarraum aus Adneter Kalkstein aus dem Jahr 1504 mit der Inschrift „STRENG VND VEST LIENHARD VETTER VO(N) WERT, der als verwesendes Gerippe dargestellt wurde und die Vergänglichkeit des Irdischen bedenken lässt.

Das beschauliche Kleinod ist ein Besuch wert. Das Innere der Kirche ist nur bei Gottesdiensten oder bei Führungen zugänglich.




Abb. 2: Links: Chor der Mönchskirche, Ostansicht, gebaut aus Suevit. Rechts: Detail Chorfenster mit Einfassung aus Suevit und Masswerk aus Lauchheimer Sandstein. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 3: Konsole und Jochbögen (Suevit) der ehem. Sakistei. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 4: Wappendetail einer Grabplatte (Lauchheimer Sandstein). | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 5: Grabplatte des Lienhart Vetter 1504 aus Adneter Kalk.| Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 6: Schlussstein im Gewölbe des Kreuzganges (Lauchheimer Sandstein). | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 7: Ecksteine aus Suevit im Kapitelsaal. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Abb. 8: Kapitelsaal, Mauerwerk aus miozänen Riessee-Karbonaten, Fensterfassungen aus Suevit. | Zum Vergrößern ins Bild klicken.



Alle Fotos © Kurt Kroepelin (Nördlingen)

Letzte Änderung: 22. September 2026


Titelbild:
Kirche St. Peter des Kartäuserkloster Christgarten, rechts Kapitelsaal

Objekt:
Mönchschor und Ruinen des ehemaligen Kartäuserklosters Christgarten (St. Peter)

Lage:
Christgarten Nr. 13
Landkreis Donau-Ries, Bayern

Land
Deutschland, Bayern

GPS:
48.78238 N, 10.46328 E
483 m ü. NHN

Entstehungszeit/Errichtung:
1383 - 1390

Gesteine:
  • Riessee-Karbonate, Riessee-Konglomerate, beide sedimentäre Kraterfüllung, Miozän; Steinbrüche im benachbarten Südwest-Ries
  • Suevit, Miozän; Steinbrüche im Kartäusertal und nächste Umgebung
  • Kalksteine der Massenkalk-Formation, Weißjura, Steinbrüche in der näheren Umgebung
  • Donzdorfer oder Lauchheimer Sandstein aus der Eisensandstein-Formation, Braunjura; Steinbrüche bei Lauchheim
  • Adneter Knollenkalk, Unterjura, Oberösterreich
  • Steine in Zweitverwendung aus der abgebrochenen, benachbarten Burg Rauhaus

Alter:
diverse Alter (siehe oben)

Literatur:

BECK, G. et al. (2016): Kloster Christgarten. – In: Chronik Ederheim, Hürnheim und Christgarten. – Hrsg Gemeinde Ederheim.

HOFMANN, H. (1967): Christgarten im Kartäusertal. – In: Der Daniel, Heft 4-1967, Fränkisch-Schwäbischer Heimatverlag August Lutzeyer, Oettingen/Bay.

HÜTTNER, R. & SCHMIDT-KALER, H. (1999): Wanderungen in die Erdgeschichte, Bd. 10, Meteoritenkrater Nördlinger Ries. – Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München.

POSCHLOD, K. (2024): Verwendung von Suevit als Naturwerkstein. - In: Gestein des Jahres 2024 Suevit. Hrsg. Unternehmerverband Mineralische Baustoffe (UVMB) e.V., Berlin.

Internet

LGRBWissen: Naturwerksteine. - www.lgrb-bw.de


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